Ich ging wie immer meine morgendliche Spazierrunde mit meinen Hunden. An diesem Morgen waren wir im Wald. Jay lief in etwa 10-20 Meter vor mir. In der Kurve weiter vorne sah ich einen Mann, der im Wald arbeitete. Ich rief meinen Hund zu mir, der bislang stets ultrazuverlässig auf mich reagierte. Dieser preschte jedoch nach vorne und verbellte diesen Waldarbeiter. Eine Reaktion, die ich von meinem Jay - auch wenn er erst ein paar Wochen bei mir war - überhaupt nicht kannte. Passanten interessierten ihn bis dato nicht.
Einige Tage zuvor waren wir beim Augenarzt, weil Jay in einem Parkhaus mit dem Kopf ein Auto touchierte, an dem wir vorbei gingen. Es stellte sich heraus, dass sein Sichtbereich des einen Auges eingeschränkt war. Wortwörtlich der berühmte blinde Fleck also.
Es war kein Grund dafür im äusseren Bereich des Auges ersichtlich und es musste vom Augennerv her stammen.
Ausserdem sah ich bei Jay einige doch eher subtile Verhaltensweisen, die man durchaus auch seinem Stress durch die ganzen Umstellungen hätte zuordnen können.
Natürlich hatte ich dann kurz nach dem Vorfall mit dem Waldarbeiter Jay Blut abgenommen und es untersuchen lassen, weil mich sein Verhalten doch sehr verwunderte. Ich wurde stutzig und begann mir ernsthafte Sorgen zu machen, dass nebst dem Auge sonst etwas Körperliches mit ihm nicht stimmen könnte.
Sein Verhalten war damals für mich schwierig einzuordnen, weil ich meinen Jay ja noch gar nicht so lange bei mir hatte und ihn entsprechend noch nicht so gut kannte. Dennoch läuteten alle Alarmglocken und ich lag auch richtig mit meinem Verdacht - es waren diverse Befunde in seinen Blutwerten aufgetaucht, die seine Verhaltensveränderungen zu erklären vermochten.
Entsprechende Behandlungen und Veränderungen im Bereich der Ernährung wurden natürlich sofort in die Wege geleitet, so dass es ihn auch bald viel besser ging - auf allen Ebenen. Menschen verbellt hatte er seither (bis auf eine einzelne weitere Ausnahme, die wieder auf eine kleine körperliche Imbalance zurückzuführen war) nicht mehr.

Körperliche Imbalancen können das Verhalten von Hunden massiv beeinflussen. Seien es Krankheiten, Schmerzen oder auch Mikronährstoffe, die im Mangel sind. Das Bild der Verhaltensthematiken kann teilweise sehr ähnlich aussehen.
Viele Hunde zeigen Verhaltensprobleme wie Angst- und Aggressionsverhalten, Unruhe oder anderem Problemverhalten aus diversen anderen Gründen als auf körperlichen Ursachen basierend. Dennoch sehe ich sehr oft - gerade bei komplexen Fällen - ein multifaktorielles Geschehen mit eben auch gesundheitlichen Themen.
So ist bei ausbleibenden Trainingserfolgen, akuten Veränderungen des Verhaltens oder auch tendenziellen Verschlechterungen von Problemverhalten, trotz gutem Training und Management, unbedingt an körperliche Ursachen zu denken.
Eine genaue und gute körperliche Abklärung ist dabei unabdingbar. Das Wissen vieler Tierärzte bezüglich dem Zusammenhang von Krankheiten und Verhaltensproblemen bei Tieren ist jedoch oft nicht ausreichend. Ebenso ist es auch Gang und Gäbe, dass Probleme des Tieres in den Bereich von Gesundheitsproblemen geschobenen werden und vergessen geht, dass nebst den Trainingsaspekten auch die Gesamtsituation betrachtet werden sollte.
Ich habe mich im Laufe der letzten Jahre darauf spezialisiert Verhaltensprobleme bei Tieren ganzheitlich zu beurteilen, so dass ich mein Wissen gerne an Menschen weiter geben möchte, denen dieser "Rundumblick" vielleicht noch etwas fehlt.
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Im WEBINAR - KÖRPERLICHE EINFLÜSSE AUF DAS VERHALTEN VON HUNDEN werde ich sehr umfangreich darauf eingehen, wie genau sich Krankheiten in verändertem Verhalten bei Hunden äussern können. Mehr Informationen dazu findest du hier.
©med. vet. Fabienne Fust, MENSCH & TIER IM EINKLANG, www.fabiennefust.ch, März 2024.